Ort: Helmut Schmidt Auditorium, Bucerius Law School, Jungiusstraße 6, Hamburg
„Was wird aus der politischen Mitte in polarisierten Zeiten?“ – Im Rahmen des Debattenforums der Bucerius Law School
Polarisierung und Parteienfragmentierung gefährden stabile demokratische Mehrheiten. Doch womöglich liegt das Problem tiefer: Vertraute politische Ordnungskategorien geraten selbst in die Krise. Die Unterscheidung zwischen „links“ und „rechts“ verliert an Erklärungskraft – und mit ihr die Vorstellung einer politischen Mitte, in der Vernunft, Ausgleich und Mehrheitsfähigkeit zusammenfallen. Was bedeutet politische Mitte heute? Und wie tragfähig ist sie noch als politisches Konzept? Ausgangspunkt des Abends ist der SPIEGEL-Gastbeitrag „Wohnt in der Mitte noch die Mehrheit?“ von Prof. Dr. Philip Manow. Der Text zeigt, wie sich politische Lager und Wählerschaften verschoben haben: Während sich die sogenannte Mitte wirtschaftlich wie gesellschaftlich hoch liberal positioniert, formieren sich populistische Parteien zunehmend als neue Arbeiterparteien. Die klassische Annahme, dass dort, wo die Mitte ist, auch die Mehrheit wohnt, gerät damit ins Wanken. Historisch stand die politische Mitte – von Gerhard Schröders „Neuer Mitte“ bis zu Angela Merkels Politik von „Maß und Mitte“ – lange für Stabilität und Regierungsfähigkeit. Heute jedoch werden diese Konzepte zunehmend kritisch bewertet: als Strategien der Status-quo-Sicherung in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche.
Mit Prof. Sigmar Gabriel bringen wir die Perspektive eines erfahrenen politischen Gestalters ein, der als Vizekanzler in der Merkel-Regierung selbst Teil einer breiten politischen Mitte war, in der Mehrheiten noch verlässlich organisiert werden konnten. Dr. Julia Reuschenbach, Politikwissenschaftlerin an der Universität Hamburg, Buchautorin und Podcasterin, ordnet aktuelle Parteientwicklungen und demokratische Transformationsprozesse politikwissenschaftlich ein. Gemeinsam mit Prof. Dr. Philip Manow, Politikwissenschaftler, Professor an der Universität Siegen und Buchautor, und unter Moderation von Martina Kix, Teamleiterin beim SPIEGEL im Ressort „Meinung & Debatte“, diskutieren wir: Ist die politische Mitte weiterhin unverzichtbar für demokratische Mehrheiten – oder verstellt sie den Blick auf neue Konfliktlinien? Und welche Voraussetzungen braucht demokratische Politik, um unter veränderten Bedingungen wieder mehrheitsfähig zu werden?
Eintritt frei. Anmeldung und weitere Infos HIER.
Eine Veranstaltung der Bucerius Law School in Kooperation mit der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.