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©  Sinje Hasheider/Junges Schauspielhaus
Für dich, mich und die Kunst

Kulturelle Teilhabe wird von vielen Akteur:innen gefordert – und gefördert. Schulen und Vereine, Kulturinstitutionen und Stiftungen setzen sich dafür ein. Die Bundesregierung bezeichnet es als eines ihrer „wichtigsten kulturpolitischen Anliegen“, alle Menschen für kulturelle Angebote zu begeistern. Doch warum ist das Thema eigentlich so wichtig?

Die Bedeutung von kultureller Teilhabe: individuell, gesellschaftlich und für die Kunst selbst

Fangen wir auf individueller Ebene an. „Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen“, hat der US-amerikanische Schriftsteller Paul Auster einmal gesagt. Sie sei „vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ Dieses Zitat zeigt eindrücklich, weshalb die Beschäftigung mit Kunst und Kultur für jeden einzelnen Menschen ein Gewinn sein kann – und weshalb diese Möglichkeit niemandem vorenthalten werden darf.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene profitieren wir von kultureller Teilhabe. Wer am künstlerisch-kulturellen Geschehen einer Gesellschaft teilnimmt, setzt sich mit ihrer Geschichte, ihren Traditionen und kulturellen Werten auseinander. Kunst und Kultur haben somit das Potential, Identifikation zu steigern und den Zusammenhalt einer Gesellschaft zu stärken.

Nicht zuletzt ist es die Kunst selbst, die darauf angewiesen ist, dass sich Menschen jeden Alters, jeder sozialen, kulturellen oder geografischen Geschichte, Menschen mit und ohne Einschränkungen mit ihr beschäftigen. Nur so bleibt sie lebendig und gesellschaftlich relevant. Der Autor und Migrationsforscher Mark Terkessidis formuliert es so: „Teilhabe bedeutet nicht, die ‚Anderen‘ in das Vorhandene zu ‚integrieren‘, sondern die eigenen Strukturen und Angebote einer gemeinsamen Reflexion zu unterziehen.“

Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS unterstützt mehrere Projekte, die kulturelle Teilhabe ermöglichen sowie kulturelles Erbe lebendig halten und vermitteln – aktuell mit besonderem Fokus auf junge Teilnehmende und Zielgruppen.



Klassische Musik: Das TONALi-Festival „Die Unvollendeten“

TONALi ist ein vielfach ausgezeichnetes Kultur- und Bildungsprojekt, in dessen Rahmen vor allem junge Menschen klassische Musik spielen, hören und organisieren. Im Jahr 2023 realisierte TONALi erstmals ein Festival. Unter der Überschrift „Die Unvollendeten“ beschäftigten sich 12 Nachwuchsmusiker:innen gemeinsam mit 200 Schüler:innen aus 12 Hamburger Schulen mit Franz Schuberts Sinfonie „Die Unvollendete“.

Bei den gemeinsam entwickelten Konzerten wurde das Publikum aktiv mit eingebunden. Auf diese Weise entstand eine neue Konzertform, die die Grenze zwischen Bühne und Publikum auflöst und ihren Fokus auf Teilhabe richtet. Höhepunkt des Festivals war ein Abschlusskonzert aller Beteiligten zusammen mit dem TONALi Orchester im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Ziel des Projekts ist es, das kulturelle Erbe der klassischen Musik auf seine Relevanz für die junge Generation und vielfältige Gesellschaften zu befragen. Junge Profi-Musiker:innen werden in ihren Vermittlungs- und Konzertdesignkompetenzen gefördert. Und Schüler:innen, die bislang kaum Berührungspunkte mit klassischer Musik hatten, haben die Möglichkeit, ihre künstlerische Neugier und gesellschaftlichen Gestaltungswillen zu entfalten.

Architektur: Das Kindermuseum „Hochform“

Um Neugier und Gestaltungswillen geht es bald auch in der Hamburger HafenCity. Denn dort, direkt gegenüber der Elbphilharmonie, entsteht das Architekturmuseum „Hochform“, das sich an Kinder, Jugendliche und ihre Familien richtet. 2024 soll es eröffnen.

Das Hochform wird Grundkenntnisse zu Architektur und Stadtplanung sowie zum Bauen vermitteln. Die Besucher:innen sollen die Stadt Hamburg nach ihrem Aufenthalt mit anderen Augen sehen. Sie werden dazu angeregt, Details in ihrer gebauten Umgebung zu entdecken, (historische) Zusammenhänge, Notwendigkeiten und Übergänge zu verstehen und sich ihrer eigenen Wünsche und Vorstellungen bewusst zu werden.

Dabei stellt das Museum die aktive Mitwirkung der Kinder und Jugendlichen in den Vordergrund. In allen Bereichen der Ausstellung können die Besucher:innen aktiv werden und beispielsweise selbst planen, messen, zeichnen oder bauen.

Darstellendes Spiel: Die Theaterplattform „SchauSpielRaum“

Traditionell wird in Hamburg in der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen viel Wert auf Darstellendes Spiel gelegt. Neben den Schulen gibt es auch an den Hamburger Theatern viele entsprechende Angebote. Dass junge Menschen auf professionellen Bühnen selbst zu Akteur:innen werden, ist bislang jedoch eher die Ausnahme – und unter anderem dem mangelnden Raum geschuldet.

Dieser Raum wurde nun geschaffen. Zur Spielzeit 2021/2022 bezog das Junge SchauSpielHaus Hamburg eine neue, eigene Spielstätte am Wiesendamm in Barmbek mit mehreren Bühnen und Studios. Dort ist mit dem sogenannten „SchauSpielRaum“ eine Plattform für Theaterpraxis mit jungen Laien entstanden. Theatertrainings und -camps, aber auch gemeinsame Produktionen von Jugendlichen und Theaterprofis zählen zu den Angeboten.

Die Projekte werden kostenfrei und so niedrigschwellig wie möglich angeboten, um einer großen Bandbreite von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten die Teilnahme zu ermöglichen. Und die bisherigen Erfahrungen bei der Ausschreibung neuer Projekte sind äußerst positiv: Die Resonanz vonseiten der jungen Talente ist groß und das Feld der Bewerber:innen außerordentlich vielfältig.

Titelbild: Aus der Produktion "Periodensysteme" des Jungen Schauspielhaus Hamburg

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