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Nationaler Bildungsgipfel, jetzt!

Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und über 50 Stiftungen, Verbände und Gewerkschaften fordern einen grundlegenden Neustart im deutschen Bildungssystem.   

Am 14. März 2023 findet am Rande der Forschungstagung des Bundesbildungsministeriums ein Bildungsgipfel statt. Dieser wird die großen Probleme des deutschen Bildungswesens aber nicht lösen können. Das deutsche Bildungssystem braucht größere Maßnahmen, genauer: Es braucht elementare Veränderungen: einen neuen Nationalen Bildungsgipfel – jetzt! Aus diesem Grund unterzeichnen über 50 deutsche Organisationen am 14. März den Appell an Bundeskanzler Olaf Scholz und Regierungschef:innen der Bundesländer, schnellstmöglich einen solchen Gipfel einzuberufen. Zur Zielsetzung heißt es im Appell: „Dieser Gipfel sollte alle relevanten Akteur:innen in der Bildung an einen Tisch bringen und den Auftakt zu einem grundlegenden, gesamtgesellschaftlichen Reformprozess markieren, um einen Neustart in der Bildung einzuleiten“. Unter den Unterzeichnern sind auch eine ganze Reihe von Bildungsstiftungen wie die Bertelsmann Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Deutsche Telekom Stiftung, Dieter von Holtzbrinck Stiftung, Karg-Stiftung, Alfred Toepfer Stiftung, Vodafone Stiftung Deutschland und die Wübben Stiftung Bildung. „Schon seit vielen Jahren gibt die Politik das Versprechen, dass Deutschland Bildungsrepublik werden und sich zum Chancen-Land entwickeln soll", sagt der Vorstandsvorsitzende der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Prof. Manuel Hartung. „Mit einer großen Kraftanstrengung kann das jetzt gelingen – für die nächste Generation und die Zukunft des Landes”.

Die Baustellen des Bildungssystems

Dass das deutsche Bildungssystem von Problemen durchzogen ist, macht der Appell in einer Auflistung der Missstände klar – schließlich begleiten jene Missstände junge Menschen schon von den ersten Lebensjahren an: Hunderttausende fehlende Kita-Plätze und der Mangel an pädagogischem Fach- und Lehrpersonal sowie deren Arbeitsbelastung, die erschwerte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zurückgehende Leistungen in Basisfächern der Grundschule, ein allgemein sinkendes Leistungsniveau – bis ins im Berufsleben, in dem über eine halbe Million junger Menschen zwischen 20 und 34 keiner Ausbildung oder Tätigkeit nachgehen. Weitere Probleme sind die Finanzierung des Bildungssystems, Hürden durch Verflechtungen und Verantwortungen auf politischer Ebene und die systematische Behinderung von Reformen. Über allen Lebensabschnitten steht aber das größte Problem der deutschen Bildungspolitik: Der Zugang zu und Erfolg von Bildung hängt noch immer viel zu stark von der sozialen Herkunft ab.

Für die Zukunft und Rechte junger Menschen

Diese Grundsatzprobleme beschneiden und gefährden die Lebensgrundlagen und Rechte junger Menschen. Das wird klar, wenn es um konkrete Lebensrealitäten geht: „Bildung soll den jungen Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung helfen und Orientierung bieten“, heißt es dazu im Appell. „Sie soll es ihnen ermöglichen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an der Gesellschaft teilzuhaben und diese mitzugestalten.“ Ohne eine wahrhaft gleiche und chancengerechte Bildung sind diese Grundlagen nicht gesichert. Aber auch die Gesamtgesellschaft leidet unter den Missständen: „(…) Bildung ist die Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand, Innovationskraft und die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft.“ Um den Istzustand nachhaltig zu verändern, müssen der Bundeskanzler und die Regierungschef:innen der Länder ihr politisches Gewicht einsetzen, um gemeinsam mit Bildungs-, Wissenschafts- und Jugendminister:innen sowie Vertreter:innen aus der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik Lösungen zu finden und sich auf eine Umsetzung zu einigen, so der Appell. Gleichermaßen sollen auch Eltern und Schüler:innen sowie weitere Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft beteiligt sein. Den gesamten Aufruf vom 14. März 2023 finden Sie hier

Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS nimmt Chancengleichheit und -gerechtigkeit in den Fokus, denn: Gesellschaftlicher Zusammenhalt beruht auf Teilhabe und Zugängen. Mit großen Projekten unseres Förderbereichs Bildung und Erziehung – wie ‚WEICHENSTELLUNG‘ – aber auch journalistischen Projekten wie dem gemeinsam mit der Schöpflin-Stiftung und der Wübben-Stiftung initiierten ‚Nina Grunenberg Fellowship‘ setzen wir uns für Bildungsgerechtigkeit in Schule und Ausbildung ein und unterstützen Bildungsjournalist:innen in Deutschland. In dem Projekt „Bildung ist Bürgerrecht“ mit der Bucerius Law School legen wir einen besonderen Fokus auf das Thema Bildungsgerechtigkeit und die Folgen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Grundrecht auf schulische Bildung.

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